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- Ethikberatung (11)
- Organisatorisches (1)
- 9.10.2011: Sie wollen einen Kommentar verfassen?
- 5.10.2011: Dokumentation von Ethikberatungen
- 16.9.2011: Brauchen Ethikberater(innen) eine Supervision?
- 14.7.2011: Deutsche Gesellschaft für Ethikberatung
- 4.11.2010: Neues Buch: Clinical Ethics Consultation
- 21.10.2010: Empfehlungen zur Dokumentation
- 30.3.2010: Standards für Ethikberatung
- 13.12.2009: Hilfreiche Fragen und Tipps
- 15.11.2009: Was ist Klinische Ethikberatung?
- 23.10.2009: Ablaufschema einer Klinischen Ethikberatung
Blogroll
Verfasser-Archiv
Sie wollen einen Kommentar verfassen?
9.10.2011 von Dr. Uwe Fahr.
Vielleicht haben Sie sich schon gefragt, warum es hier nicht möglich ist, Kommentare zu schreiben? Dabei sind Diskussionsbeiträge und Kommentare mir sehr willkommen. Der Grund ist einfach: Ich möchte mich vor Spam und wenig qualifizierten Beiträgen schützen. Ab jetzt möchte ich die Möglichkeit ausbauen, sich aktiv zu beteiligen . Wenn Sie Kommentare verfassen wollen, dann schreiben Sie mir bitte eine E-Mail mit ihrem Klarnamen und einigen Sätzen zu Ihrem Interesse an dem Thema. Bitte registieren Sie sich zuvor. Ich schalte Sie dann frei, damit Sie Kommentare verfassen können.
Mit der Möglichkeit, Kommentare zu verfassen, akzeptieren Sie die folgenden Bedingungen:
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Sie interessiert ein bestimmter Aspekt der Ethikberatung? Sie möchte zu etwas Bestimmten mehr wissen? Sehr willkommen sind mir Anregungen und Fragen zu dem Thema Ethikberatung. Schreiben Sie mir einfach eine Mail!
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Dokumentation von Ethikberatungen
5.10.2011 von Dr. Uwe Fahr.
Bei der Dokumentation von Ethikberatungen ist es wichtig zu entscheiden, welche Ziele mit der Dokumentation erreicht werden sollen. Verlaufsdokumentationen zielen eher darauf, den Ablauf einer Beratung möglichst detailliert darzustellen, um die eigene Arbeit zu reflektieren. Ergebnisdokumentationen fassen die wesentlichen Ergebnisse zusammen, damit diese in der Krankenakte niedergelegt sind.
Ethikberatungen angemessen zu dokumentieren, ist keine leichte Aufgabe. Der folgende Vorschlag zum Aufbau einer Ergebnisdokumentation kann vielleicht dabei helfen, sie leserfreundlich zu getalten.
- Vorspann mit den formalen Angaben (Datum, Ort, Dauer der Beratung, Namen und Funktion der Teilnehmer, Angaben zur Patientin, zum Patienten)
- Diagnose, Prognose und mögliche Behandlungen
- Ethische Fragestellung, die in dem Gespräch erörtert wurden
- Ergebnis
- Begründung
Wichtig ist es bei der Begründung darauf zu achten, dass nicht nachträglich Begründungen für die getroffene Entscheidung gegeben werden. In der Ergebnisdokumentation wird vielmehr allein die Begründung wiedergegeben, die die Beteiligten an der Beratung als überzeugend akzeptiert haben. Die Ergebnisdokumentation ist damit keine nachträgliche „Analyse“ eines Beratungsfalles, sondern die möglichst genaue Wiedergabe dessen, was in der Beratung besprochenen wurde. Und auch das nur insoweit eine Entscheidung getroffen wurde, die dort begründet wurde.
Eine Verlaufsdokumentation stellt demgegenüber detailliert den Verlauf einer Ethikberatung dar. Dabei muss auch das Handeln der Berater detailliert berücksichtigt werden. Deutlich werden sollte, welche Interventionen die Berater wählen und welche Auswirkungen diese in der Beratung haben. Diese Art der Dokumentation dient daher dazu, die Qualität der Ethikberatung zu sichern. Sie ist anonymisiert zu erstellen, und sie kann dann im Rahmen des Ethikkomitees vorgestellt und diskutiert werden. Sie kann auch eine Grundlage für die Arbeit mit einem Supervisor / einer Supervisorin sein.
Weiterführende Literatur:
Fahr U (2209): Die Dokumentation Klinischer Ethikberatung. Ethik Med 21: 32-44
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Brauchen Ethikberater(innen) eine Supervision?
16.9.2011 von Dr. Uwe Fahr.
Die Frage, ob Ethikberater(innen) eine Supervision brauchen oder nicht, lässt sich meines Erachtens gut beantworten. Supervision ermöglicht Ethikberatern und Ethikberaterinnen ihre eigene Arbeit zu reflektieren. Die Beratung von Ärztinnen und Ärzten, von Pflegenden, Patientinnen und Patienten sowie ihren Angehörigen erfordert von den Ethikberater(innen) ein großes kommunikatives Geschick. Dabei ist es wesentlich, auch die eigenen emotionalen Reaktionen auf die jeweils geschilderte Entscheidungssituation zu bedenken. Genau das leistet Supervision.
Ethikberatung ist keine Rechtsberatung, sondern eine eigenständige Form der Beratung zu ethischen Fragen, die im Rahmen eines Behandlungsverlaufs auftreten können. Ethische Fragen haben dabei die Eigenheit, dass die Ethikberater nicht die Antwort auf die Frage kennen. Damit unterscheidet sich die Ethikberatung von einer rechtlichen Beratung, die genauer sagen kann, ob eine bestimmte Handlungsweise dem rechtlichen Rahmen entspricht oder nicht. Ethikberatung ist, mit anderen Worten, keine Fachberatung. Der Ethikberater ist besser informiert über die Fragen, die medizinethisch diskutiert werden. Er oder sie weiß aber auch, dass fast alle medizinethischen Fragen kontrovers diskutiert und beantwortet werden. Die Ethikberaterin kann sich daher nicht einfach auf eine der Seiten schlagen, weil es ihrer eigenen moralischen Überzeugung entspricht. Die Redeweise von einer „Empfehlung“, die der Ethikberater abgibt, ist daher irreführend.
Ethikberaterinnen und Ethikberater kennen durchaus die Situation, dass aus diesem Grund die Meinungen im Behandlungs- wie im Beratungsteam sehr verschiedenartig sein können. Sie wissen auch, dass sie persönlich sehr unterschiedlich auf Ärzte, Patienten oder ihre Angehörigen reagieren. Genau diese Fragen können nun in einer Supervision erörtert werden. Sie stellt daher ein Lernformat bereit, in dem die Qualität der Ethikberatung gesichert werden kann. Aus diesem Grund würde ich sogar so weit gehen und sagen: Ein Team von Ethikberaterinnen und Ethikberatern, die auf Supervision verzichtet, vergibt sich eine erhebliche Möglichkeit der Qualitätssicherung.
Supervision ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Arbeit von Ethikberatungsteams. In der Hospizarbeit und Palliativpflege und Palliativmedizin ist Supervisionen schon lange ein solch selbstverständlicher Anteil. Die Fragen, mit denen Ethikberater(inne) zu tun haben, sind persönlich kaum weniger herausfordernd und komplex.
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Deutsche Gesellschaft für Ethikberatung
14.7.2011 von Dr. Uwe Fahr.
Bereits 2010 wurde die Deutsche Gesellschaft für Ethikberatung im Gesundheitswesen (DGEG) gegründet. Die DGEG ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Recklinghausen. Naturgemäß ist es das Ziel der Gesellschaft , die Ethikberatung im Gesundheitswesen zu fördern. Es gibt bereits eine Internetseite (dgeg.net). Weitere Tätigkeiten werden für die Zukunft geplant.
Die Ziele der DGEG sollen durch Aktivitäten erreicht werden, wie sie in den folgenden Punkten genannt werden:
- Barrierefreie und durch das Internet frei verfügbare Veröffentlichung der Ergebnisse des interdisziplinären Diskurses zu Fragen der Ethikberatung in Einrichtungen und weiteren Organisationen des Gesundheitswesens,
- Organisation und Durchführung von Informations-, Schulungsmaßnahmen und Weiterbildung,
- Förderung des Austausches von Mitgliedern in Ethikkomitees, anderen Gremien der Ethikberatung oder Ethikberatern in Einrichtungen des Gesundheitswesen, speziell in Universitätskliniken, Krankenhäusern, Einrichtungen der stationären Altenhilfe, Einrichtungen der Behindertenhilfe, Pflegediensten und Hospizen,
- Beratung in moralischen Konfliktsituationen,
- Förderung von Information, Kommunikation und Vernetzung zwischen Laien und Experten im Internet durch die Plattform www.dgeg.net
Weitere Informationen unter www.dgeg.net.
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Neues Buch: Clinical Ethics Consultation
4.11.2010 von Dr. Uwe Fahr.
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Jan Schildmann, John-Stewart Gordon und Jochen Vollmann haben im Herbst 2010 ein Buch herausgegeben: Clinical Ethikcs Consultation. Theories and Methods, Implementation, Evaluation. Der Untertitel des Buches signalisiert die Spannweite der Beiträge, die in dem Band dokumentiert sind. Es widmet sich in drei Teilen der Klinischen Ethikberatung. Teil I handelt von den Theorien und Methoden, Teil II von der Implementierung und Teil III widmet sich der Evaluation der Ethikberatung.
Die Entwicklung der Ethikberatung in Europa war meines Erachtens lange Zeit davon gekennzeichnet, dass amerikanische Theorien und Erfahrungen nach Europa transferiert wurden. So orientieren sich beispielsweise viele Konzepte an dem sogenannten “Vier-Prinzipien-Ansatz” von Beauchamp & Childress. Erst langsam zeichnen sich Beratungsformen ab, die besser in den europäischen Kontext passen, flexibler sind und sich stärker in die europäische Tradition einfügen. Ein englischsprachiger Band von europäischen Autoren ist daher sehr begrüßenswert. Es ist zu hoffen, dass es den internationalen Austausch über die Ethikberatung befördert.
Zugegeben: Ich freue mich auch deshalb über das Buch, weil ich selbst die Gelegenheit hatte, zwei Aufsätze zu dem Band beizusteuern. Gemeinsam mit meinem vormaligen Kollegen Markus Rothhaar (jetzt Fernuni Hagen) habe ich mich in einem der Beiträge mit dem Verhältnis von Ethik, Empirismus und Beratung beschäftigt (S. 21-35). In dem allein von mir verfassten zweiten Beitrag (”Discourse Ethics and Ethics Consultation”) geht es um das Verhältnis von Diskursethik und Ethikberatung (S. 53-63).
Quelle: Jan Schildmann, John-Stewart Gordon & Jochen Vollmann (Ed.) (2010): Clinical Ethics Consultation. Theories and Methods, Implementation, Evaluation. Ashgate. Gebundene Ausgabe, ca. 86,- Euro.
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Empfehlungen zur Dokumentation
21.10.2010 von Dr. Uwe Fahr.
Die Arbeitsgruppe Ethikberatung der Akademie für Ethik in der Medizin hat eine Empfehlung zur Dokumentation von Ethikberatungen erarbeitet. Sie gibt Hinweise darauf, wie Ethikberaterinnen und Ethikberater Beratungen schriftlich aufbereiten und wie diese Dokumentationen aufbewahrt werden sollten. Die Empfehlung ist in der Zeitschrift “Ethik in der Medizin” erschienen und kann über die unten genannte Internetadresse kostenlos bezogen werden.
Die Arbeitsgruppe hat sich intensiv mit den Zielen der Dokumentation auseinandergesetzt und hebt unterschiedliche Funktionen hervor (Orientierungs- und Erinnerungsfunktion, Absicherung, Qualitätssicherung, Ausbildung des Beraters, Tätigkeitsnachweis). Die Arbeitsgruppe empfiehlt, für die Krankenunterlagen reine Ergebnisberichte zu erstellen. Wert wird darauf gelegt, dass zu den Ergebnissen der Beratung auch die Begründung für eine ausgewählte Vorgehensweise gehört. Die Empfehlung bietet darüber hinaus noch Hinweise zu Aufbewahrung, Datenschutz und Einsichtsrecht.
Quelle: Uwe Fahr · Beate Herrmann · Arnd T. May · Antje Reinhardt-Gilmour · Eva C. Winkler (2010) Empfehlungen für die Dokumentation von Ethik-Fallberatungen der AG „Ethikberatung im Krankenhaus“ in der Akademie für Ethik in der Medizin e. V. (AEM) · Open Access bei Springer unter Dokumentation
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Standards für Ethikberatung
30.3.2010 von Dr. Uwe Fahr.
Der Vorstand der Akademie für Ethik in der Medizin e.V. (AEM) hat am 24. Februar 2010 Standards für die Ethikberatung in Einrichtungen des Gesundheitswesens verabschiedet, die am 12. März 2010 in der Zeitschrift “Ethik in der Medizin” online publiziert wurden. Ziel der Standards ist es, vor dem “Hintergrund der wachsenden Bedeutung von Ethikberatung” Qualitätskriterien und Basisanforderungen, denen jede Form der Ethikberatung genügen sollte, zu beschreiben (Präambel). Erarbeitet wurden die Standards von der Arbeitsgruppe “Ethikberatung im Krankenhaus” der AEM.
Die Standards beschreiben im ersten Teil Ziele und Aufgaben der Ethikberatung. Dort werden als Ziele u.a. die Unterstützung eines strukturierten Vorgehens bei ethischen Konflikten, die Verbesserung der Sprachfertigkeit und der kommunikativen Kompetenz sowie die Umsetzung allgemeiner moralischer Werte wie beispielsweise der Menschenwürde als Ziele benannt. Ethikberatung wird in einem weiten Sinne verstanden, die individuelle ethische Fallbesprechungen, sogenannten Ethik-Fallberatungen, die Erstellung von Ethik-Leitlinien sowie die Organisation von medizin- und pflegeethischen Fortbildungen umfasst.
Im zweiten Teil beschreiben die Standards die Implementierung und Organisation. Hier wird darauf hingewiesen, dass Ethikberatung in einen strukturellen Kontext eingebunden ist, aber dennoch nicht weisungsgebunden sein darf. Die Gefahr von möglichen Interessenkonflikten wird hier deutlich beschrieben: “Es ist eine besondere Herausforderung der Ethikberatung, eine angemessene Balance zwischen institutioneller Einbindung und Unabhängigkeit herzustellen.”
Der dritte Teil gibt Hinweise zur Umsetzung und Ausgestaltung der Aufgaben. Hier werden insbesondere auch Hinweise zu der Ethik-Fallberatung gegeben. Hier heißt es beispielsweise: “Bei einer Ethik-Fallberatung verbindet sich Moderationskompetenz mit ethischer Expertise. Aufgabe der Berater ist es einerseits, alle für die Bewertung des Falles erforderlichen Details sichtbar zu machen und allen Anwesenden Raum zur Beteiligung zu geben, andererseits die ethischen Fragen herauszuarbeiten und die Möglichkeiten des weiteren Vorgehens nach ethischen Kriterien zu gewichten.”
Der vierte Teil ist der Dokumentation und Evaluation gewidmet. Hier wird mit Blick auf die Ethik-Fallberatung gefordert, die Ergebnisse, “die konkrete Auswirkungen auf die weitere Behandlung oder Betreuung des Patienten/Bewohners haben”, schriftlich in den Krankenunterlagen zu dokumentieren.
Die “Standards für die Ethikberatung in Einrichtungen des Gesundheitswesens” sind ein sinnvolles Dokument für alle, die sich in Einrichtungen des Gesundheitswesens mit der Etablierung von Ethikkomitees und Ethikberatung beschäftigen. Sie geben interessante Hinweise und ermöglichen eine Auseinandersetzung mit den eigenen Erwartungen und Ansprüchen. Die einzelnen Details werden in der Zukunft sicher nochmals eingehender diskutiert werden müssen. Dies ist allerdings kein Schaden, da die Entwicklung der Ethikberatung noch lange nicht abgeschlossen ist.
Quelle: Vorstand der Akademie für Ethik in der Medizin e.V. (2010): Standards für die Ethikberatung in Einrichtungen des Gesundheitswesens. Online publiziert in Ethik in der Medizin.
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Hilfreiche Fragen und Tipps
13.12.2009 von Dr. Uwe Fahr.
Es gibt immer wieder schwierige Situationen in Ethikberatungen. Dann stellt sich beispielweise der Eindruck ein, dass das Gespräch auf der Stelle tritt. In dieser Situation helfen manchmal bestimmte Fragen weiter. Es ist sinnvoll, solche Fragen im Lauf der Zeit zu sammeln. Aus einem solchen Repertoire können dann je nach Situation geeignete Fragen ausgewählt werden. Hier sind einige der Fragen, die mir gelegentlich weitergeholfen haben.
-
Wer könnte bei der Beurteilung dieser Situation hilfreich sein?
-
Was bedeutet das (bezogen auf einen Vorschlag, ein Urteil)?
-
Was würde sich für Sie dadurch verändern? (z.B. durch ein Konsil)
-
Können Sie sich mit einer solchen Vorgehensweise einverstanden erklären? Können Sie damit leben?
- Wie handlungsfähig sind Sie jetzt?
Hilfreich können auch die folgenden Tipps sein:
-
Achten Sie genau auf Wortmeldungen oder Kommentarsätze
-
Halten Sie sich eher zurück und steuern Sie so dezent wie möglich
-
Beziehen sie „stumme“ Teilnehmer ggf. in das Gespräch ein
-
Behalten Sie die Zeit im Blick
-
Geben Sie auch Gefühlen Raum und lassen Sie davon berichten
- Weisen Sie auf Gesprächsregeln hin, falls Auseinandersetzungen aggressiv werden
Haben Sie selbst bereits solche Fragen oder Tipps gesammelt? Dann teilen Sie doch hier Ihre Erfahrungen mit und schreiben einen Kommentar.
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Was ist Klinische Ethikberatung?
15.11.2009 von Dr. Uwe Fahr.
Beratung ist ein komplexer Vorgang, der unterschiedliche Aspekte umfasst. Sie wird oft als eine “helfende Beziehung” verstanden, in der ein Berater einem Ratsuchenden zu helfen versucht, eine eigene Lösung zu finden bzw. mit diesem gemeinsam zu erarbeiten. Klinische Ethikberatung stellt eine besondere Form der Beratung dar, da sie sich auf die ethischen Fragen bei medizinischen Behandlungen konzentriert.
Eine anerkannte Definition für Ethikberatung gibt es nicht. Die meisten Versuche, sie zu definieren, heben vor allem bestimmte Aspekte dieses Beratungsangebotes hervor.
So grenzt Jochen Vollmann die Ethikberatung insbesondere gegen die fachärztliche Tätigkeit ab und hebt bestimmte Kompetenzen hervor, die der gute Ethikberater benötigt: “(…) Ein Psychiater besitzt, als Facharzt, diagnostische, therapeutische und prognostische Kompetenz und trägt hierfür die ärztliche Verantwortung. Demgegenüber liegt die Aufgabe der Klinischen Ethikberatung in der Identifizierung und Analyse von ethischen Fragen und Konflikten, die im Umfeld der Patientenversorgung entstehen. Hierzu benötigt der Berater eine Ausbildung in philosophischen und medizinethischen Grundlagen und ihrer Anwendung in konkreten Situationen sowie Kommunikations- und Moderationskompetenz.“ (J. Vollmann in Dörries et al., S. 119) In diesem Verständnis ist Ethikberatung also keine Fachberatung, sondern vielmehr eine Beratung, die sich auf einen bestimmten Erkenntnisprozess bezieht.
In einer ganz ähnlichen Richtung versteht Gert Richter die Klinische Ethikberatung. Er schreibt, dass das Ziel dieser Beratung sei: „(…) anstehende ethische Probleme in konkreten Patientenfällen sachlich fundiert, selbständig und eigenverantwortlich zu lösen. Mit dieser Zielbenennung Klinischer Ethikberatung wird dargelegt, dass die Lösung ethischer Probleme in der Patientenversorgung nicht grundsätzlich in der Konsiltätigkeit zu sehen ist, sondern sie vielmehr eine Hilfestellung darstellt und nicht in der Weise missverstanden werden sollte, dass für ein ethisches Problem der Ethikexperte um Lösung gebeten wird.“ (G.Richter in Dörries et al., S. 76). Auch Richter versteht die Klinische Ethikberatung nicht als Fachberatung, sondern als Prozessberatung. Prozessberatung meint - im Gegensatz zur Fachberatung - dass der Berater vor allem auch den Blick auf den Diskussionsprozess richtet und versucht, ein faire und alle Interessen berücksichtigende Diskussion zu ermöglichen.
Eine Arbeitsgruppe der American Society for Bioethics and Humanities (ASBH)hat die folgende Definition vorgeschlagen: „Ethikberatung im Gesundheitswesen ist ein Service, der von Einzelnen oder einer Gruppe angeboten wird, um Patienten, Familien, Stellvertretern, Mitarbeitern im Gesundheitswesen oder anderen betroffenen Parteien zu helfen, Unsicherheit oder einen Konflikt hinsichtlich wertbehafteter Themen anzusprechen, die im Gesundheitswesen auftreten können. Diese Unsicherheit kann kognitive und affektive Dimensionen haben. Ethikberatung im Gesundheitswesen hat zwei aufeinander bezogenen Bereiche, klinische Ethik und Organisationsethik.“ (meine Übersetzung, ASBH, S. 3) Die ASBH hebt damit hervor, dass es unterschiedliche Modelle der Ethikberatung gibt:
- Beratung durch einen einzelnen Berater, z.B. durch einen Ethikberater
- Beratung durch eine Beratungsgruppe, z.B. eine Arbeitsgruppe Ethikberatung
- Ethikberatung mit den Angehörigen oder
- Ethikberatung alleine für das klinische Team
- Beratung in der klinischen Praxis
- Beratung des Krankenhauses oder der Klinik, mit dem Ziel einer Organisationsentwicklung
Als ich mein eigenen Verständnis von Ethikberatung formuliert habe, hatte ich vor allem jene Ethikberatungen im Blick, bei denen ich mit Ärztinnen und Ärzten, Pflegenden und Angehörigen in einer gemeinsamen Beratung nach den Handlungen gesucht habe, die nach Ansicht aller Beteiligten ethisch tragbar waren. Ich habe das so formuliert:
„Unter Ethikberatung soll
(1) der Prozess verstanden werden, in dem
(2) ein – eventuell auch zwei oder mehrere – für diese Beratungssituation ausgebildeter Berater
(3) einem oder mehreren Ratsuchenden gegenübertritt, um den Ratsuchenden in einem
(4) ergebnisoffenen und aufrichtigen Diskurs
(5) ein moralisch-praktisches Urteil über eine bestimmte moralische Handlungssituation X zu ermöglichen.“
Ich wollte damit vor allem betonen, dass es um das persönliche moralische Urteil der Angehörigen, Patienten, Ärztinnen, Ärzte und der Pflegenden geht. Auch ich verstehe die Ethikberatung nicht als eine Fachberatung, auch wenn der Berater in dem einen oder anderen Fall über ethische Richtilinien oder Grundsätze informieren wird. Darüber hinaus wollte ich damit betonen, dass alle Beteiligten auch in dem gemeinsamen Gespräch aufrichtig - oder wie es manchmal heißt: wahrhaftig - sein müssen, damit ein solche Diskussion gelingen kann. Der Ethikberater sollte daher vor allem auch in der Lage sein, darauf zu achten, was in dem Gespräch geschieht und auf ein gemeinsames Verständnis der Beteiligten hinzuarbeiten. Das ist auch der Grund, warum ich die Ethikberatung enger als andere Autoren an die Supervision anlehne. Der Berater benötigt daher nicht allein Kommunikations- und Moderationskompetenz, sondern auch die Kompetenz, den Diskussionsprozess zu gestalten.
Weiterführende Literatur:
- American Society for Bioethics and Humanities (ASBH): Core Competencies for Health Care Ethics Consultation.
- Fahr U (2008) Philosophische Modelle klinischer Ethikberatung. Ihre Bedeutung für Praxis und Evaluation. In: Frewer A, Fahr U, Rascher W (Hrsg.) (2008): Jahrbuch Ethik in der Klinik. Würzburg, S. 75-98
- Dörries, A.; Neitzke, G.; Simon, A.; Vollmann, J. (2008): Klinische Ethikberatung. Ein Praxisbuch. Stuttgart, 2008
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Ablaufschema einer Klinischen Ethikberatung
23.10.2009 von Dr. Uwe Fahr.
Checklisten für die Ethikberatung sind in der Anfangsphase häufig hilfreich, da sie den Ethikberater oder die Ethikberaterin an einzelne Punkte erinnern. Meines Erachtens sollten diese Checklisten und Strukturierungshilfen nicht überbewertet werden. Meistens lassen sich Beratungsgespräche nur schwer planen. Vor allem sollten Ethikberater auch darauf achten, dass sie den Gesprächsverlauf nicht zu sehr zugunsten des eigenen Plans stören. Die folgende Liste ist in Instrumemt, dass daher lediglich eine Hilfe sein soll. Es gibt keine Pflicht, alle Punkte abzuarbeiten.
1. Vor Beginn der Beratung:
- Vereinbaren, wer das Gespräch moderiert und wer Protokoll führt.
- Den Raum aufsuchen und setzen
2. Einstieg·
- Eröffnung der Sitzung; Vorstellung der Moderation
- Grund für die Ethikberatung: Einladung durch Herr/Frau; Fall der zur Diskussion steht; ethisches Problem
- Dauer der Beratung / Festlegung des Zeitrahmens
- Vorstellungsrunde: Bitte nennen sie Ihren Nahmen, Ihre Funktion und Ihre Beziehung zu dem Patienten
- Informationen zur Ethikberatung: Votum nicht zwingend erforderlich, Entscheidungskompetenz bleibt unangetastet
- Vorgehensweise erläutern
- Eventuell Hinweis auf Gesprächsregeln (nur wenn dies in der Situation sinnvoll scheint): Jeder darf sich äußern, jeder hat gute Gründe für seine Überzeugungen, jeden ausreden lassen, gegenseitiger Respekt
3. Fakten sammeln
- Medizinische Fakten und Handlungsoptionen
- Pflegerische Fakten und Handlungsoptionen
- soziale Fakten zum Willen des Patienten
4. Ethische Fragestellung formulieren
- Wie würden Sie jetzt die ethische Fragestellung formulieren?
- Was spricht für oder gegen die eine oder andere Handlungsoption?
- Plan erstellen für das weitere Vorgehen. Wer ruft an? Wer führt diese Maßnahme durch?
5. Abschluss - Zusammenfassung
- Wer kümmert sich konkret um welche Maßnahme, Handlung usw.
- Welche Fragen sind offengeblieben?
- Wurden Ihre Erwartungen erfüllt? Fanden Sie die Arbeit effektiv? Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?
- Weitere Beratung anbieten: Sie können mich telefonisch erreichen. Ich lasse Ihnen die folgenden Informationen zukommen…
- Dank an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer
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